Vehicle-to-Load
Dein Auto liefert Strom über eine Schuko-Steckdose, typisch 2,2-3,6 kW. Praktisch für Camping oder Notstrom, kann keine Hausnetze versorgen. Verfügbar bei Hyundai/Kia/Polestar.
V2H, V2G, V2L: Das Auto als Speicher fürs Haus klingt nach Zukunftsmusik — und ist 2026 zum größten Teil noch genau das. Wer es trotzdem heute einsetzen will, findet hier den realistischen Stand: welche Autos, welche Wallboxen, welche Förderung. Und vor allem: ab wann es sich rechnet.
Dein Auto liefert Strom über eine Schuko-Steckdose, typisch 2,2-3,6 kW. Praktisch für Camping oder Notstrom, kann keine Hausnetze versorgen. Verfügbar bei Hyundai/Kia/Polestar.
Auto speist über bidirektionale Wallbox ins Hausnetz ein. Ersatz für Heimspeicher. 2026 erste serienreife Kombis verfügbar, aber teuer und selten.
Auto verkauft Strom zurück ins öffentliche Netz, idealerweise zu Hochpreis-Stunden. Pilotprojekte in DE laufen, kommerziell breit verfügbar realistisch ab 2027/2028.
Du hast eine PV-Anlage und planst ohnehin einen Speicher
Der Auto-Akku ersetzt einen separaten Hausspeicher (6.000-10.000 €). Bei guter Tagsüber-PV-Erzeugung kommt das auf eine Amortisation der Mehrkosten in 5-7 Jahren.
Dein E-Auto kann V2H
Realistisch heißt das aktuell: Nissan Leaf (CHAdeMO, ältere Generation), VW ID.-Modelle mit Software-Update, Polestar 3, Kia EV6/EV9. Bei anderen Marken vor dem Wallbox-Kauf prüfen.
Du nutzt einen dynamischen Stromtarif
V2H wird erst interessant, wenn Strompreis-Differenzen zwischen Nacht und Tag groß sind. Tibber oder aWATTar machen das transparent.
Du hast Spaß an Smart-Home-Integration
V2H ist 2026 noch Pioniertechnik. Steuerung über openWB, Home Assistant oder Hersteller-Apps. Plug-and-Play ist es nicht.
Dein aktuelles E-Auto kann es nicht
Bidirektional ist Hardware. Kein Update macht ein nicht-V2H-Auto plötzlich V2H-fähig. Beim nächsten Auto-Kauf darauf achten — bis dahin nicht in V2H-Hardware investieren.
Du hast keine PV-Anlage
Ohne eigene Stromerzeugung ist V2H reine Tarif-Arbitrage. Lohnt sich finanziell kaum, weil die Differenz zwischen Tag- und Nacht-Strompreis nur 8-12 ct/kWh beträgt.
Du willst eine Plug-and-Play-Lösung
V2H-Wallboxen sind 2026 noch Custom-Setups. Wer eine fertige App-Lösung will, sollte mindestens noch 12-18 Monate warten.
Bidirektionale Wallboxen können nicht nur Strom ins Auto laden, sondern den Akku auch rückwärts entladen — entweder ins Hausnetz (V2H, Vehicle-to-Home) oder ins öffentliche Stromnetz (V2G, Vehicle-to-Grid). Das macht den Auto-Akku zum Heimspeicher und kann bei dynamischen Tarifen sogar Geld einbringen, wenn nachts geladen und tagsüber teurer eingespeist wird.
Stand Mai 2026 sind kommerziell verfügbar: Nissan Leaf (CHAdeMO, V2H seit 2020), Mitsubishi Outlander PHEV, VW ID.-Modelle (mit Software-Update für V2H, ab MEB-Modelljahr 2024), Hyundai Ioniq 5 / 6 (V2L bidirektional über CCS-Adapter), Polestar 3 mit OTA-Update, Kia EV6 / EV9. Tesla hat V2H für 2026 angekündigt aber noch nicht ausgeliefert. Insgesamt: realistisch verfügbar in der Praxis erst seit Ende 2024.
Spezielle V2H/V2G-Wallboxen sind 2026 noch teuer und selten. Im Markt: Wallbox Quasar 2 (CCS, V2H, ~3.500 €), E3/DC S20 (eigenes System), sonnenCharger Pro mit V2H-Modul, KEBA P40 (angekündigt für Q3 2026). Klassische Wallboxen wie die go-eCharger, Pulsar Plus oder Mennekes Amtron können nicht rückwärts laden — bidirektional ist Hardware-Sache, kein Software-Update.
In Kombi mit PV: ja, deutlich. Ein E-Auto-Akku mit 60 kWh kostet als Speicher rund 5 € pro kWh-Speicherzyklus (Akku-Degradation), ein Hausakku mit gleicher Kapazität rund 6-8 € — wenn man die Anschaffungskosten anteilig rechnet. Wer den Auto-Akku als Speicher mitnutzt, spart sich 6.000-10.000 € für einen separaten Heimspeicher. Allerdings braucht es eine bidirektionale Wallbox (3.000-5.000 €) und ein V2H-fähiges Auto. Realistisch ab etwa 2027/2028 wirtschaftlich, wenn die Hardware billiger und die Auswahl größer wird.
Das BMV-Programm „Ladeinfrastruktur in und an Mehrparteienhäusern" (gültig 15.04.2026 bis 10.11.2026) zahlt bis 2.000 € pro Stellplatz. Bidirektionale Wallboxen werden im Förder-Standard explizit zugelassen, der Förderbetrag bleibt aber gleich. Heißt: V2H bekommt keinen Aufschlag, aber wird gefördert wie eine normale Wallbox. Auf Bundesländer-Ebene gibt es noch keine spezifische V2H-Förderung in Deutschland.
V2L bedeutet: dein Auto liefert über eine eingebaute Schuko-Steckdose Strom — typisch 2,2 bis 3,6 kW, ein paar Hyundai/Kia-Modelle und Polestar haben das. Damit kannst du Werkzeuge auf dem Campingplatz betreiben oder im Stromausfall den Kühlschrank versorgen. V2L ist nicht V2H: es kann keinen Strom ins Hausnetz einspeisen, nur einzelne Geräte direkt versorgen. Praktisch, aber wirtschaftlich uninteressant.
Heute nur für Early Adopter, die eine PV-Anlage haben, ihr E-Auto bidirektional-fähig ist und Spaß an Smart-Home-Tüftelei haben. Wirtschaftlich rechnen wird sich der Einstieg 2026 nur in Sonderfällen. Realistisch für die breite Masse: ab 2027, wenn (a) bidirektionale Wallboxen unter 2.500 € fallen, (b) mehr Autos serienmäßig V2H können, (c) dynamische Tarife mit Einspeise-Möglichkeit (V2G-Vermarktung) flächendeckend verfügbar sind.
Wer in einer WEG oder als Vermieter Wallboxen plant, kann bis 2.000 € pro Stellplatz aus dem BMV-Programm bekommen. Bidirektionale Wallboxen sind explizit zugelassen. Antragsfrist: 10.11.2026.
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