Wallboxhelfer

Zwei E-Autos, eine Wallbox? Oder zwei?

Wenn der Zweitwagen auch elektrisch wird, kippt das Setup. Reicht eine Wallbox mit Lastmanagement, oder braucht es zwei? Wann wird der Hausanschluss zum Flaschenhals? Hier die ehrliche Entscheidungshilfe.

Drei Szenarien, drei Empfehlungen

Einfachster Fall

Beide nachts da, einer fährt früh

Eine Wallbox reicht. Du steckst das Auto an, das morgens zuerst voll sein muss. Das andere lädt anschließend automatisch. Lastmanagement nicht zwingend nötig.

Twin-Setup

Beide nachts da, beide brauchen morgens 100 %

Zwei Wallboxen oder eine Twin. Mit parallelem Laden bei 11 kW pro Auto in 4-5 Stunden voll. Dynamisches Lastmanagement empfohlen, sonst Hausanschluss-Risiko.

Zwei Boxen

Stellplätze räumlich getrennt

Zwei einzelne Wallboxen, jeweils mit eigener Zuleitung. Vernetzung über App oder Modbus, dynamisches Lastmanagement über die Hausanschluss-Messung.

Worauf du bei Doppel-Setups achten musst

  • Hausanschluss-Kapazität

    Standard-EFH hat 35-63 A. Zwei 11-kW-Wallboxen plus Großverbraucher (Herd, Wärmepumpe) bringen das oft an die Grenze. Beim Elektriker im Vorab-Check klären lassen.

  • Dynamisches Lastmanagement

    Pflicht für zwei Wallboxen am selben Anschluss. Statt fester Drosselung misst die Steuerung den realen Hausverbrauch und reduziert Wallbox-Leistung dynamisch.

  • Identischer Hersteller (empfohlen)

    Vernetzung zweier Wallboxen geht herstellerübergreifend nur über offene Protokolle (Modbus, OCPP). Einfacher: beide Boxen vom selben Hersteller mit gemeinsamem Backend.

  • Anmeldung beim Netzbetreiber

    Beide Wallboxen müssen einzeln angemeldet werden. Bei Gesamtleistung über 22 kW gilt Genehmigungspflicht. Übernimmt der Elektriker.

  • §14a-Steuerung berücksichtigen

    Seit 2024 dürfen Netzbetreiber bei Spitzenlast Wallboxen drosseln. Du bekommst dafür reduzierte Netzentgelte. Lohnt sich besonders bei Doppel-Setups, weil die Wahrscheinlichkeit höher ist.

Häufige Fragen

Brauche ich für zwei E-Autos zwei Wallboxen?

Meistens nicht. Eine 11-kW-Wallbox lädt nachts beide Autos nacheinander locker voll, wenn keiner morgens komplett leer losfährt. Bei 12.000 km/Jahr pro Auto reichen pro Nacht 4-6 Stunden Ladung. Zwei Wallboxen brauchst du, wenn beide Autos parallel an dieselbe Zeit gebunden sind (z. B. abends um 18 Uhr ankommen und beide am nächsten Morgen um 7 Uhr 100 % brauchen) oder wenn die Stellplätze räumlich getrennt sind.

Reicht mein Hausanschluss für zwei Wallboxen?

Bei modernen Hausanschlüssen mit 35-63 A (also typisch 24-43 kW Gesamt-Kapazität) reichen zwei 11-kW-Wallboxen rechnerisch. Praktisch wird es eng, wenn du gleichzeitig auf Herd, Wärmepumpe, Klimaanlage oder Durchlauferhitzer Spitzenlast hast. Lösung: dynamisches Lastmanagement (siehe unten). Bei Altbau-Anschlüssen unter 35 A nicht ohne Hausanschluss-Upgrade. Der Elektriker kann das beim Vorab-Check feststellen.

Was ist Lastmanagement und brauche ich es?

Lastmanagement bedeutet, dass die Wallbox(en) ihren Stromverbrauch automatisch reduzieren, sobald andere Großverbraucher (Herd, Wärmepumpe) zuschlagen. Statisches Lastmanagement: feste maximale Wallbox-Leistung. Dynamisches Lastmanagement: misst den Hausanschluss live mit und drosselt nur bei Bedarf. Für zwei Wallboxen am gleichen Hausanschluss ist dynamisches Lastmanagement praktisch Pflicht. Modelle wie Mennekes Amtron Premium, KEBA P30 X-Series, ABL eMH3, go-eCharger Gemini können das nativ.

Welche Wallbox eignet sich für zwei Autos?

Drei realistische Setups: (1) Eine Wallbox mit Doppelanschluss wie ABL eMH3 oder Mennekes Amtron Twin, beide Stellplätze über eine Box, integriertes Lastmanagement. (2) Zwei einzelne Wallboxen vom selben Hersteller mit Backend-Anbindung, vernetzt über App oder Modbus. (3) Eine günstige Wallbox plus Verlängerung, eines der Autos parkt jeden Tag woanders. Lösung (1) ist am elegantesten, kostet aber 2.500-3.500 € Hardware. Lösung (2) skaliert flexibler.

Was kostet die Installation für zwei Wallboxen?

Bei zwei Wallboxen am selben Stellplatz-Bereich: rund 1.500-2.500 € Installation, plus Hardware. Bei räumlich getrennten Stellplätzen kommt Mehrarbeit für die zweite Zuleitung dazu (Kabelweg, Mauerdurchbrüche): 500-1.500 € extra. Wer eine Twin-Wallbox nimmt, spart die zweite Zuleitung, zahlt aber teurere Hardware. Hausanschluss-Verstärkung wenn nötig: 1.000-2.500 € zusätzlich.

Lohnt sich PV mit zwei E-Autos doppelt?

Ja, deutlich. Mit zwei E-Autos liegt der Wallbox-Bedarf bei rund 4.500-5.500 kWh/Jahr. Eine 10-kWp-Anlage kann davon je nach Tagsüber-Verfügbarkeit 30-60 % decken. Die Eigenverbrauchsquote steigt von typisch 35 % (ohne E-Auto) auf 55-70 % (mit zwei E-Autos). Das ist der wirtschaftlich stärkste Hebel beim Doppel-Setup. Der PV-Wallbox-Rechner zeigt dir die konkreten Zahlen.

Kann ich die zweite Wallbox später nachrüsten?

Ja, mit Vorbereitung. Den Elektriker beim Erst-Einbau die Zuleitung gleich auf 22 oder 32 A auslegen lassen und an der relevanten Stelle eine Anschlussdose / Leerverrohrung setzen. Spätere Erweiterung kostet dann nur Hardware + 1-2 Stunden Elektriker-Arbeit. Ohne Vorbereitung: zweiter Komplett-Einbau für 1.500+ €.

Doppelte Wallbox, doppelte Kosten?

Der Kosten-Rechner berücksichtigt zwar nur ein Auto, du kannst aber Verbrauch und Fahrleistung einfach verdoppeln. Im Vergleich findest du Lastmanagement-fähige Modelle direkt sortiert.